Sandhofen – Dorfcharakter in der Stadt
Sandhofen gehört heute zu Mannheim, war aber über Jahrhunderte eine eigenständige Gemeinde mit eigener Verwaltung, eigenem Rathaus und einem ausgeprägten dörflichen Selbstverständnis. Erst zum 1. Januar 1913 wurde Sandhofen eingemeindet. Die Verkehrsanbindung gehörte zu den sichtbaren Veränderungen: 1920 erreichte die elektrische Bahn zunächst die Zellstofffabrik, 1922 den Ortskern.
Damals war Sandhofen längst mehr als ein Bauerndorf. Landwirtschaft, Zellstoff-, Papier- und Juteindustrie prägten den Ort und brachten Arbeit und wirtschaftliche Bedeutung. Mit der Hanfstraße gab es zeitweise sogar eine ausgeprägte Einkaufsstraße. Vieles, was man zum täglichen Leben brauchte, bekam man direkt im Ort.
Bis heute ist von diesem Selbstverständnis viel geblieben. Die Volksbank Sandhofen besteht weiterhin eigenständig. Und auch im Alltag merkt man: Sandhofen ist zwar Stadtteil – fühlt sich an vielen Stellen aber noch immer wie ein Dorf an.
Alte Ansichten vom Kriegerdenkmal, vom Schulhaus, von der Schulstraße und weiteren Orten erinnern an das gewachsene Ortsbild. Das Denkmal ist noch heute ein vertrauter Blick im alten Ortskern. Historische Ansichten zeigen den Wandel und das, was wiedererkennbar geblieben ist. Genau in diesem Umfeld entstand die therapeutische Tradition, die später zur heutigen Praxis führte.
Buschfunk, Kinos und Wandel
Noch immer kennt in Sandhofen gefühlt jeder jeden. Man begegnet sich beim Einkaufen, im Verein, auf der Straße – oder eben beim Grimminger. Diese Nähe schafft Vertrauen und Zugehörigkeit. Gleichzeitig hat sie ihre ganz eigene Form der Nachrichtenübermittlung: den berühmten Sandhofer Buschfunk.
„Awwa die Kinos hawwe zu in Sondhoffe, deswege brauche ma de Buschfunk! Bei dem Buschfunk duut kääna mehr ä Kino brauche. Vor allem sinn die zwee Kinos in Sondhoffe zu. Des ääne hawwe se abgerobbt; do steht heit des Haas Haus in de Spinnereistroß 5–7 druff. Unn im annere Kino, des in de Sondhofer Stroos war, iss heit de Penny drin.“
Das Haas Haus in der Spinnereistraße 5–7 steht heute dort, wo früher eines der beiden Kinos stand. In der Sandhofer Straße befindet sich an der Stelle des anderen früheren Kinos heute der PENNY-Markt. Beim Grimminger trifft man sich weiterhin – hier funktioniert der Sandhofer Buschfunk bis heute.
Alter und neuer Stich – und die eigene Volksbank
Der alte „Stich“ bezeichnet im Volksmund den ansteigenden Straßenabschnitt zwischen Dorfstraße / Luftschifferstraße und Kalthorststraße / Domstiftstraße. Damit führt der Name direkt in das Umfeld unserer frühen Praxisgeschichte. Der neue Platz bei der Straßenbahnendhaltestelle entstand um 2008. Heimatmuseum und Bürgervereinigung regten damals den Namen „Am Stich“ an, um den Bezug zur älteren Ortsbezeichnung zu bewahren.
So verbindet der Stich die Kalthorststraße mit der heutigen Ortsmitte. Für unsere Geschichte bedeutet das: Die Häuser und Plätze verändern sich, doch viele Wege, Begegnungen und Erinnerungen bleiben miteinander verbunden. Hier liegt auch der Boden für den Sandhofer Buschfunk.
Volksbank Sandhofen eG – weiterhin eigenständig
Auch die Volksbank Sandhofen eG steht für diese örtliche Eigenständigkeit. Sie besteht weiterhin als eigene eingetragene Genossenschaft mit eigenem Vorstand und Registereintrag. Sie ist nicht in der VR Bank Rhein-Neckar aufgegangen. Ihre Hauptstelle befindet sich in der Sandhofer Straße 313–315.
Für uns gehört das zum Charakter Sandhofens: ein Stadtteil mit eigenen Einrichtungen, vertrauten Namen und gewachsenen Beziehungen. In diesem Umfeld entwickelte sich die therapeutische Tradition unserer Praxis – von den frühen Wurzeln in der Kalthorststraße bis zum heutigen Standort in der Schönauer Straße.
Schwester Lissl und Schwester Fine
In diesem Sandhofen beginnt auch die überlieferte Geschichte der therapeutischen Versorgung, aus der sich später die heutige Physiopraxis entwickelte. Am Anfang stehen Schwester Lissl und Schwester Fine. Die beiden Ordensschwestern waren keine Praxisinhaberinnen im heutigen Sinn. Ihre Rolle war umfassender.
Für viele Menschen im Ort waren die Schwestern eine der ersten Anlaufstellen bei gesundheitlichen Beschwerden. Oft wandte man sich zunächst an sie: Sie hörten zu, halfen, versorgten und konnten einschätzen, wann ärztliche Behandlung notwendig war.
Die beiden waren auch als die „Kräuterschwestern“ bekannt. In ihrem eigenen Garten bauten sie Heilkräuter an, die sie auf unterschiedliche Weise anwendeten. Zu ihrem Angebot gehörten außerdem richtige Moorbäder.
Damit beginnt unsere Geschichte nicht mit einem Firmenschild oder einem Mietvertrag, sondern mit Menschen, die sich um die Gesundheit anderer Menschen kümmerten.
Von der Heilgymnastik zur Physiotherapie
In die Zeit der Ordensschwestern gehören auch frühe Formen der Heilgymnastik. Aus ihr entwickelte sich über die Jahrzehnte die Krankengymnastik und schließlich die heutige Physiotherapie. Mit den Namen veränderten sich Ausbildung, wissenschaftliche Grundlagen, Behandlungstechniken und das Selbstverständnis des Berufs.
Diese Entwicklung ist Teil unserer Praxisgeschichte: von einer wohnortnahen, sehr persönlichen Gesundheitsversorgung über die Krankengymnastik bis zu einem modernen therapeutischen Berufsbild.
Vaclav „Alex“ und Martha Lacina – die Kalthorststraße
Die Kalthorststraße ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte. Im roten Backsteinhaus liegen die frühen Wurzeln. Das direkt danebenstehende weiße Haus wurde später zur eigenen Praxis von Petra Glaiber (geb. Lacina).
Die nächste Generation dieser Geschichte ist eng mit der Familie Lacina verbunden. Vaclav, genannt Alex, und Martha Lacina führten die therapeutische Arbeit in der Kalthorststraße weiter. Über viele Jahre entstand dort eine enge Verbindung zu den Menschen im Stadtteil. Noch heute reichen Erinnerungen mancher Familien an diese therapeutische Tradition bis in diese Zeit zurück.
Hans-Peter Lacina wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern in diesem Umfeld auf. Gesundheit, Therapie und der tägliche Kontakt mit Patientinnen und Patienten gehörten damit ganz selbstverständlich zum Familienleben. Auch seine Schwester Petra Glaiber (geb. Lacina) wurde Physiotherapeutin.
Zwei Häuser, zwei Kapitel: Die frühe therapeutische Arbeit im roten Backsteinhaus und Petras spätere Praxis im direkt danebenliegenden weißen Haus machen die Entwicklung in der Kalthorststraße heute noch räumlich nachvollziehbar.
Hans-Peter Lacina und Petra Glaiber
In den 1990er Jahren entstand unter Hans-Peter Lacina der neue Praxisstandort in der Schönauer Straße. Dort arbeiteten Hans-Peter und seine Schwester Petra zunächst gemeinsam. Später entschieden sich beide für unterschiedliche Wege, ohne dass die Verbindung zur Familientradition verloren ging.
Petra Glaiber
Petra kehrte in die Kalthorststraße zurück und eröffnete im weißen Nachbarhaus der elterlichen Praxis eine eigene physiotherapeutische Praxis. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf der Behandlung von Kindern. Außerdem war sie als Hundeosteopathin tätig. Heute befindet sie sich im wohlverdienten Ruhestand.
Hans-Peter Lacina
Hans-Peter blieb in der Schönauer Straße. Neben seiner physiotherapeutischen Tätigkeit war er Osteopath. Bei der späteren Übergabe war vorgesehen, dass er sich aus der klassischen Physiotherapie zurückzieht und eine rein private osteopathische Praxis eröffnet. Dieser neue Abschnitt sollte ihm mehr Raum für die Osteopathie geben.
Aus derselben Familie und derselben therapeutischen Tradition entwickelten sich damit zwei unterschiedliche Wege – Petras Rückkehr in die Kalthorststraße und Hans-Peters weiterer Aufbau des Standorts in der Schönauer Straße.
Moorbäder, Unterwassermassage und Hydrotherapie
Wer heute eine Physiotherapiepraxis betritt, erlebt ein anderes Behandlungsspektrum als noch vor einigen Jahrzehnten. Früher gehörten neben der Krankengymnastik auch Moorbäder, Unterwassermassagen und weitere hydrotherapeutische Anwendungen zum Alltag. Wasser, Wärme und Bewegung wurden miteinander kombiniert und waren für viele Patientinnen und Patienten ein wichtiger Teil ihrer Behandlung.
Im Laufe der Jahre wurden solche Angebote zunehmend aufgegeben. Der technische und räumliche Aufwand, steigende Energie- und Betriebskosten sowie veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen machten viele dieser Anwendungen für Praxen kaum noch wirtschaftlich durchführbar.
Damit ging auch ein Stück therapeutischer Vielfalt verloren. Nicht alles früher war automatisch besser – aber die Verbindung von Wärme, Wasser, Bewegung und manueller Behandlung bot Möglichkeiten, die heute im normalen Praxisalltag kaum noch vorhanden sind.
Aus Heilgymnastik wurde Krankengymnastik und schließlich Physiotherapie. Methoden kamen hinzu, andere verschwanden – die Entwicklung ging weiter.
2008 bis 2011 – Übergabe, Abschied und Verantwortung
Im Jahr 2008 kam Benjamin List in die Praxis von Hans-Peter Lacina. Was zunächst als neuer Arbeitsplatz begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer engen fachlichen und persönlichen Verbindung. Hans-Peter wurde nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Wegbegleiter.
Am übernahm Benjamin List die Praxis. Für beide sollte dieser Schritt einen neuen beruflichen Abschnitt markieren: Benjamin führte die Physiotherapie weiter, während Hans-Peter sich künftig auf seine private osteopathische Tätigkeit konzentrieren wollte.
Doch nur etwa einen Monat nach der Übergabe starb Hans-Peter Lacina im Alter von nur 46 Jahren. Seine Pläne konnte er nicht mehr verwirklichen. Aus einer sorgfältig vorbereiteten Praxisübergabe wurde innerhalb kürzester Zeit ein sehr persönlicher Einschnitt.
Mit Hans-Peters frühem Tod bekam die Übernahme eine Bedeutung, die beim Vertragsabschluss niemand vorhersehen konnte. Es ging plötzlich nicht mehr nur darum, Räume, Patientinnen und Patienten oder einen bestehenden Praxisbetrieb zu übernehmen. Es ging darum, etwas weiterzuführen, das bereits lange vor der eigenen Zeit begonnen hatte.
Aus einer Praxisübernahme wurde Verantwortung für eine gewachsene Geschichte.
Die therapeutische Tradition hatte ihre frühen Wurzeln in der Kalthorststraße, war von der Familie Lacina über Jahrzehnte weitergetragen worden und hatte mit Hans-Peter ihren Standort in der Schönauer Straße gefunden. Seit 2011 wird dieses Kapitel unter dem Namen Physiopraxis Sandhofen weitergeschrieben.
Hinten im Hof – ruhig gelegen und mit eigenen Parkplätzen
Der heutige Standort in der Schönauer Straße 44 A verbindet die Nähe zum Ortskern mit einer ruhigen Lage. Von der Sandhofer Straße aus liegt die Praxis ganz hinten am Ende der Straße, kurz vor der Kurve – ruhig im Hof.
Ein praktischer Vorteil, der gerade in einem dicht bebauten Stadtteil viel wert ist: Auf dem Praxisgelände stehen eigene Patientenparkplätze zur Verfügung. Wer mit dem Auto kommt, hat kurze Wege vom Parkplatz bis zur Praxis.
Die Lage ist heute eine kleine Besonderheit: mitten in Sandhofen, aber zurückgesetzt im Hof – mit kurzen Wegen von den eigenen Parkplätzen bis zur Praxis.
Vier Generationen therapeutischer Tradition
Unsere Geschichte lässt sich nicht sinnvoll als nüchterne Liste von Praxisinhabern erzählen. Schwester Lissl und Schwester Fine standen als frühe Wegbereiterinnen am Anfang der überlieferten gesundheitlichen Versorgung. Danach führten Vaclav „Alex“ und Martha Lacina die therapeutische Arbeit in der Kalthorststraße weiter. Mit Hans-Peter Lacina entwickelte sich der Standort in der Schönauer Straße, während Petra Glaiber ihren eigenen Weg in der Kalthorststraße ging. Seit dem 1. Februar 2011 wird die Tradition von Benjamin List und der Physiopraxis Sandhofen weitergeführt.
Sandhofen, Kalthorststraße und Ortsmitte – die Praxisgeschichte ist immer auch ein Stück Stadtteilgeschichte.
Über all diese Jahrzehnte hat sich vieles verändert. Aus Heilgymnastik wurde Krankengymnastik und schließlich Physiotherapie. Moorbäder, Unterwassermassagen und Hydrotherapie wurden Teil der Geschichte. Standorte veränderten sich. Menschen gingen in den Ruhestand. Neue Generationen übernahmen Verantwortung.
Aber eines blieb: die Verbindung zu den Menschen in Sandhofen. Noch heute behandeln wir Menschen, deren Familien die Praxis oder ihre Vorgänger bereits seit Jahrzehnten kennen. Aus Kindern werden Erwachsene, aus Erwachsenen Eltern und aus Eltern Großeltern. Irgendwann stellt man fest, dass nicht nur eine Praxis älter geworden ist – sondern dass man ein kleines Stück der Geschichte eines ganzen Stadtteils mitgetragen hat.
Seit Generationen mit Sandhofen verbunden.
Von Schwester Lissl und Schwester Fine über die Familie Lacina und Hans-Peter Lacina bis zur heutigen Physiopraxis Sandhofen – eine Geschichte, die weitergeht.
Unsere Praxis kennenlernenÜber diese Geschichte & ihre Quellen
Diese Geschichte beruht auf den persönlichen Erinnerungen und Praxisunterlagen von Benjamin List. Dazu gehören die Familiengeschichte, die Erinnerungen an die Kräuterschwestern, die frühere Hanfstraße und die beiden Kinos. Erzählt wird eine gewachsene therapeutische Tradition. Die Fotos stammen aus den von Benjamin List bereitgestellten Praxisunterlagen.
Ergänzende Quellen zur Ortsgeschichte: